
Das S-Pedelec als Alternative zum Auto – wie schlägt sich das schnelle E-Bike im Alltag?
Ist ein S-Pedelec als Ersatz für das Auto geeignet? Klar, sollte man bei einem Blick in eine Statistik des Bundesumweltamt meinen. Schließlich beträgt die zurückgelegte Distanz bei etwa der Hälfte aller Fahrten mit dem Auto in Deutschland nicht mehr als fünf Kilometer. Wir starten einen Selbstversuch mit einem 45 km/h schnellen Diamant Zouma Deluxe+ S E-Bike.
EIN SELBSTVERSUCH
Das deutsche Bundesumweltamt hat ermittelt, dass die Fahrdistanz mit dem Auto bei rund der Hälfte aller Fahrten nicht mehr als fünf Kilometer beträgt. Im Nachbarland Österreich kam eine Studie der NGO „VCÖ“ zu dem Ergebnis, dass pro 100 Autos durchschnittlich lediglich 116 Personen befördert würden. Anders gesagt: Nur in jedem siebten Auto sitzt mehr als eine Person. Und sehr oft nur für ein paar wenige Minuten.
Alleine diese Ergebnisse verdeutlichen, dass ein Fahrrad das Auto – nicht nur theoretisch – auf vielen Fahrten sinnvoll ersetzen kann. Ein E-Bike erst recht. Und an diesem Punkt stellt sich die Frage: Pedelec oder S-Pedelec? Unterstützung bis 25 km/h oder gleich bis 45 km/h?

S-PEDELEC ODER PEDELEC – WAS SIND DIE UNTERSCHIEDE?
Kurz gesagt ist es die Geschwindigkeit, die den Unterschied macht: Beim Pedelec hört der Motor bei 25 km/h auf zu unterstützen. Beim S-Pedelec erst bei 45 km/h. Von Gesetzgeberseite ist die Unterscheidung ebenfalls simpel gehalten: Ein Pedelec wird rechtlich als Fahrrad behandelt, ein S-Pedelec als Moped. Mit allen Konsequenzen: Am S-Pedelec gilt Kennzeichenpflicht für die Plakette der Haftpflichtversicherung. Es darf nicht mit in den Zug. Außerdem muss auf den 45 km/h schnellen E-Bikes ein Helm getragen werden – wobei das ja immer absolut Sinn macht. Der wohl größte Nachteil: das Fahren auf innerstädtischen Radwegen und vielen Waldwegen ist in Deutschland und Österreich mit dem S-Pedelec verboten. Aber was heißt das in der Praxis? Bei unserem Selbstversuch haben wir die Bikes in verschiedenen Situationen des Alltags genutzt und zeigen anhand dessen, die Vor- und Nachteile des S-Pedelecs gegenüber dem Auto und einem klassischen E-Bike.

DIE PARADE-DISZIPLIN – MIT DEM S-PEDELEC IN DIE ARBEIT
Die Anforderungen an ein Rad sind so unterschiedlich wie seine möglichen Fahrer. Wir wollten das S-Pedelec vor allem zum Pendeln ins Büro nutzen. Unsere Arbeitswege variieren dabei zwischen 15–45 km und ähneln einer Art Sternfahrt. Wie für viele andere Menschen auch, geht’s für uns vom ländlichen Gebiet hinein in eine mittelgroße Stadt – genauer gesagt nach Rosenheim. Und um es direkt vorwegzunehmen: genau hier erweist sich das S-Pedelec als idealer Begleiter. Auf den Nebenstraßen und Radwegen außerhalb der Stadt fliegt man förmlich dahin und macht sehr schnell viel Strecke. Während man mit einem klassischen E-Bike an der 25 km/h Schwelle hängen bleibt, pedaliert man mit dem S-Pedelec ganz locker mit 35-40 km/h dahin. Das ändert sich ein wenig, sobald es zum Radfahren in die Stadt geht. Hier ist die richtige Routenplanung entscheidend. Der Grund: Radwege sind innerorts leider tabu. Daher konzentrieren wir uns auf kleine Nebenstraßen und nehmen ein paar extra Abbiegevorgänge in Kauf. Da der Autoverkehr zur Rushhour auf den Hauptrouten aber ohnehin stockt, ist das kein Problem. Mit etwas Geschick findet man so gute Alternativrouten und lernt dabei gleich noch ganz andere Ecken der Stadt kennen.

Fakt ist aber auch: Das zwanghafte Fahren auf der Straße kann ungemütlich sein. Denn selbst mit 45 km/h ist man innerorts häufig langsamer als der Autoverkehr und wird trotz neuer Gesetzeslage immer wieder eng überholt. Ein flächendeckendes Tempo 30 innerorts wäre hier die Lösung. Bleibt zu hoffen, dass die vorgestellten sieben Modellregionen (Aachen, Augsburg, Freiburg im Breisgau, Hannover, Leipzig, Münster und Ulm – auch Bonn) Vorbild vieler weiteren Städte werden.

TAUGT EIN S-PEDELEC IM FAMILIEN-EINSATZ?
Im Leben geht es bekanntermaßen um weit mehr als nur die Arbeit. Was also, wenn man am Wochenende das Bike für den nächsten Familienausflug nutzen möchte? Darf man damit einen Kinderhänger ziehen? Kann man einen Kindersitz montieren? Wie sieht‘s mit dem Weg zum Baggersee aus? Leider gibt es hier schlechte Nachrichten: Ein S-Pedelec ist, wenn man so will, der Sportwagen unter den E-Bikes. Es ist etwas für Solisten, aber nichts für den Transport von Passagieren. Kinderanhänger beispielsweise oder Kindersitze dürfen (und sollten) aus gutem Grund nicht am S-Pedelec angebracht werden. Die Belastungen auf die Passagiersitzgelegenheiten sind infolge der Geschwindigkeit zu hoch, ein sicherer Transport der Juniorinnen und Junioren ist dadurch nicht möglich. Auch können Stürze wegen der hohen Geschwindigkeit heftiger sein.
Wo das S-Pedelec fernab des Arbeitswegs brilliert, sind die Besorgungsfahrten zum Bäcker oder dem Supermarkt – vor allem im ländlichen Raum. Kaum aufgestiegen, hat man schon ein breites Grinsen im Gesicht. Der Rausch der Geschwindigkeit packt Jede und Jeden! Ganz besonders, wenn man sich damit zum vermeintlich schnelleren Auto Zeit spart. Denn die Höchstgeschwindigkeit eines Kraftfahrzeugs, kommt in den allerwenigsten Momenten einer Fahrt überhaupt zum Tragen. Die eines Fahrrads dagegen sehr wohl.
Hinweis von Diamantrad:
Das E-Bike als Fortbewegungsmittel der Wahl wird auch in der Stadt immer beliebter. Auf unserer Übersichtsseite zur Mobilität der Zukunft sammeln wir Dir alle Beiträge zum Thema. Schau mal rein!/
DIE ANGST VOR DEM LEEREN AKKU IST…
… unbegründet. Bei unseren zurückgelegten Distanzen hatten wir keinerlei Probleme mit der Akku-Reichweite – selbst bei exzessiver Nutzung des Turbo-Modus. Natürlich ist diese von vielen Faktoren, wie z. B. dem Höhenprofil, der Temperatur, Fahrergewicht usw. abhängig, mindestens 35 km haben wir aber immer bewältigt. Bei sparsamen Akku-Verbrauch geht auch noch deutlich mehr. Anders als beim E-Auto hat man mit dem S-Pedelec auch kein Problem mit der Lade-Infrastruktur: Im Büro angekommen, kann man den Akku einfach entnehmen und bequem neben dem Schreibtisch seinen E-Bike-Akku laden.

SCHÖNES WETTER SCHÖN UND GUT – ABER WAS IST BEI REGEN?
Zugegeben: Radfahren bei niedrigen Temperaturen im Regen wird nie so komfortabel sein, wie sich einfach ins Auto zu setzen und mit aktivierter Sitz- und Lenkradheizung zu fahren. Doch wie wusste schon der Sportlehrer zur Schulzeit? „Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung“. Mittlerweile gibt es etliche Accessoires, die einem das Radfahr-Leben leichter machen. Angefangen von wasserdichter Kleidung, über warme Handschuhe, Überschuhe, beheizte Einlegesohlen uvm.. Gleichzeitig waren unsere Test-Bikes mit fest installierten Schutzblechen, einer hellen Lichtanlage, Kettenschutz und pannensicheren Reifen bestens für widrige Bedingungen gerüstet. Klar, es braucht Überwindung, aber wenn man einmal draußen ist, bereut man es eigentlich nie.

Fazit: Am Ende entscheidet bei einem Kauf der Bauch. Oder das Herz. Selten aber die Vernunft. Ist beim Autokauf ja kein bisschen anders. Darum der Blick aufs (Radfahrer-)Herz: Mit dem S-Pedelec (oder dem Pedelec) den Weg in die Arbeit, zum Einkaufen oder sonst wohin zu erledigen ist Bewegung. Und das ist gut fürs Herz. Sagt die WHO. Doch Verzeihung, schon wieder Fakten. Jetzt aber wirklich: Das S-Pedelec spielt vor allem im ländlichen Bereich seine Stärken voll aus. Es eignet sich hervorragend zum Pendeln ins Büro und für kurze Besorgungsfahrten. Es ist der schnelle Sportwagen mit viel Fahrspaß, der jedoch auch mit einigen Kompromissen behaftet ist. Wer dagegen das praktische Familienmobil sucht, findet mit dem „langsameren“ E-Bike das vielseitigere Gefährt.
GENERELLE TIPPS FÜR MEHR SPAß MIT DEM S-PEDELEC
- Plane deine Routen mit Komoot
- Die richtigen Packtaschen machen das Rad noch universeller, hochwertige Modelle gibt es von Ortlieb und Vaude
- Besorg dir im Zweifel ein zweites Ladegerät fürs Büro
